Eine kurze Zusammenfassung vom Kanaltörn mit einer Antigua 37

(von Anselm Fabig)



.
Vom 25.7.97 bis 9.8.97 hat eine gemischt Berliner/Saarbrücker-Crew einen Katamaran-Törn im Ärmelkanal unternommen, von dem in den nächsten Absätzen berichtet werden soll. Mit an Bord waren :
 
 Anselm Fabig (B)
 Andreas Benne (SB)
 
 Monika Matthes (B)
 Harald Dunker (SB)
 Sylvia Nachtigall (B)
 Gaby Ritter (SB)
 Andreas Tomiak (B)
 Frank Schulz (SB)
 
.


Das Fahrtgebiet, das wir uns ausgesucht hatten, ist ein Seegebiet, in dem nur unter Berücksichtigung der Gezeiten gesegelt werden kann. Die Tide erreicht dort Höhen bis 14m (In St. Malo) und bis 7m auf den Kanalinseln. Ein Problem sind vor allem Strömungen bis 11 Knoten (z.B. nördlich von Alderney), die nur mit Hilfe des Nautical-Almanc vorhergesagt, aber auch ausgenutzt werden können.
.
Kartenausschnitt des Ärmelkanals
.
Am ersten Tag legten wir nur 25 NM zurück, davon 10 NM unter Maschine mit Windstärke fünf gegenan. Nach fünf Stunden erreichten wir den Hafen Lymington. Nicht jedoch, ohne vorher alle Fische im Solent gefüttert zu haben und physikalischen Anschauungsunterricht über die Vor- und Nachteil von Lee und Luv praktisch erlebt zu haben. Die Gesichter einiger Beteiligter nahmen allerdings im Hafen wieder eine normale Farbe an.
.
Unser Kat im Hafen von Lymington
.
Am zweiten Tag entschieden wir uns, erst das zweite Tiden-Fenster für die Fahrt an den Needles vorbei Richtung Alderney zu nehmen. Es folgte ein 12-stündiger Nachttörn unter sternklarem Himmel mit Meeresleuchten, der seine Kulmination in einem Sonnenaufgang auf See fand. In Anbetracht des Sternschnuppenhagels gingen der Crew langsam die Wünsche aus.

Während der Überfahrt war es der Decks-Crew eine spannende Aufgabe, alle Feuer und Lichter zu identifizieren. Hier traten auch Kuriositäten auf. Kopfzerbrechen bereitete z.B. ein Fahrzeug, das bei stehender Peilung während 30 min. vorn und achtern rot über weiß führte. Weitere Positionslichter waren nicht sichtbar. Dann begann das hintere Licht das vordere zu überholen. Es stellte sich später heraus, daß es sich um zwei Segler mit 3-Farben-Laternen und eingeschalteter Decksbeleuchtung handelte.
.
Alderney ist die nördlichste der Kanalinseln. Alderney hat eine Gesamtfläche von acht Quadratkilometern und ca. 2300 Einwohner. Die meisten leben in der einzigen Stadt der Insel, St. Anne. Alderney besteht hauptsächlich aus einem Plateau, das sich 60Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Die wichtigsten Industriezweige sind Tourismus und Milchproduktion. Auf der Insel wurden Überreste aus der Zeit der römischen Besatzung und Monumente aus der Bronzezeit gefunden. Im 11. Jahrhundert gelangte Alderney unter die Kontrolle der Normannen und somit nach 1066 in den Besitz der englischen Krone. Die Insel gehört heute zum Amtsbezirk von Guernsey.
Der Hafen von St. Anne auf Alderney aus der Luft
Der Golfplatz und der Flugplatz verbrauchen ca. 1/3 der Inselfläche, die wir in drei Stunden umwandert haben. Hier verbrachten wir den Tag mit Zodiac-Aufbau (Beiboot), Städtchenbummel und Dösen in der Sonne. Um nicht im Hafenbecken neben den Moorings ins Wasser springen zu müssen, sind wir zum Baden mit dem Beiboot in eine Nachbarbucht motort. Dort sprangen einige freiwillig und eine unfreiwillig ins 17 Grad kalte Wasser. Harald, Gaby und Andreas im Hafen von St. Anne
Monika setzt das Groß Am vierten Tag folgte ein kurzer Trip von ca. 22 NM nach St. Peter Port auf Guernsey. Guernsey ist die westlichste der Kanalinseln und Dependance der britischen Krone. Ein flaches Tiefland durchzieht den Nordteil der Insel. Der Südteil erhebt sich zu einer etwa 90 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hochebene. Die Insel hat eine Fläche von 63,5 Quadratkilometern. Ihre wichtigsten Wirtschaftszweige sind der Tourismus und die Landwirtschaft. Exportiert werden überwiegend Blumen, Obst und Tomaten (Die Toms, wie sie in dort genannt werden). Guernsey hat etwa 59000 Einwohner. Die Hauptstadt St. Peter Port stellt gleichzeitig den wichtigsten Seehafen der Insel. Dort legen auch die bis 35 Knoten schnellen Katamaranfähren an, die man auf See erst hört (ein sehr tiefes, undefinierbares Brummen) und dann sieht. Trotz der deutsche Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg genießen Deutsche auf Guernsey einen guten Ruf.

Wir haben uns zwei Tage auf Guernsey aufgehalten und mit dem Mietauto die Insel erkundet. Bei einer Flugschule des lokalen Flugplatzes charterten wir eine Piper PA28 und unternahmen zwei Rundflüge um die Insel, bis nach Alderney und zurück.

Von Guernsey aus ging es bei perfektem Wetter und mit 11-12 Knoten Fahrt weiter nach St. Malo. Die Stadt St. Malo (der südlichsten Punkt unserer Fahrt) haben wir am nächsten Tag in einem Mittelding aus Dunst, Nebel und Sonne erlebt. Warm war es, aber Windstill und diesig. Von der Stadt haben wir nur die von einer Stadtmauer umschlossene Altstadt besichtigt. Diese kann man von den Innen-Häfen aus innerhalb von 5-10 min. erreichen und in zwei Stunden durch- und um-wandern. Die Altstadt scheint nur aus Restaurants, T-Shirt-Läden und Touristen-"Zubehör"-Verkäufern zu bestehen. Dort tobte aber auch nachts um eins noch das Leben - ganz im Gegenteil zu England, wo ab 23 Uhr (last order) kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf.

.
Für die Fahrt von St. Malo nach Guernsey hatte uns der Wetterbericht vom Vortag 4-5 aus NW versprochen, am Morgen des Auslaufens dann 2-3 aus SE, auf See erhalten wir 0-1 aus NE. Immerhin lag die Sicht, wie "versprochen", bei 1 NM. So sehr kann auch eine Kurzzeit-Wettervorhersage daneben liegen. Auf See wunderte uns, daß alle Segler, die mit uns in St. Malo ausgeschleust hatten, mit 6 Knoten scheinbaren Windes aus 30o; Stb. (wie wir), mehr als 6 Knoten Fahrt machen. Aber das lag wohl daran, daß wir die einzigen ehrlichen Segler waren, die einen schwarzen Kegel vorgeheißt hatten.

Als Ziel der Fahrt war ursprünglich Beaucette-Harbour auf Guernsey geplant. Beaucette-Harbour ist ein kleiner, etwas elitärer Hafen in einer natürlichen Felsbucht, deren Zufahrt nur künstlich erweitert wurde. Als wir jedoch die Hafeneinfahrt erreichten, kam uns ein offenes Motorboot entgegen, deren Insassen uns bedeuteten, der Hafen sei schon voll und wir mögen doch bitte umkehren ...
.
Als Alternative kam natürlich nur St. Peter-Port in Frage. Dessen Hafen hatten wir eine halbe Stunde früher mit dem Strom an Backbord liegenlassen. Also motorten wir gegen den Strom (!) zurück. Keine drei Stunden später (für ca. 4 NM) erreichten wird St. Peter-Port. Es war eingetreten, was beim Segeln in Gezeiten-Gewässern gerade vermieden werden sollte, eine Fahrt gegen den Strom. Abgesehen davon, daß es mal ganz witzig ist, an der Logge 6 kts abzulesen und dann von einer Tonne überholt zu werden oder am Kompaß 200 Grad und am GPS (über Grund) 10 Grad angezeigt zu bekommen, ist die Strömung in den Buchten und zwischen den Inseln nicht homogen, sondern verwirbelt und im Detail unvorhersehbar.
Die Schwelle zum Hafen St. Peter-Port bei Ebbe
.
Am Sonntag, dem neunten Tag, mußten wir uns langsam auf den Rückweg machen. Da der Wetterbericht uns NE mit 5-6 vorausgesagt hatte, entschieden wir uns, als nächsten Hafen Dartmouth anzusteuern. Dartmouth liegt nordwestlich von Guernsey an der englischen Südküste. Dies würde einen schönen Am-Wind bzw. Halb-Windkurs ergeben. Wegen der Gezeiten gab es wieder nur zwei "Startfenster", frühmorgens und spätabends. Für die letzten Tage der Törnplanung wurde also sehr frühes Aufstehen projektiert.

Wir liefen bei strahlendem Sonnenschein aus. Auf dem Weg um die Südwest-Ecke von Guernsey herum wurde die Sicht immer schlechter, bis sie nur noch bei 50 m lag.
.
Unser Schlafzimmer auf dem Netz des Kats
.
Der am höchsten Punkt der Insel gelegene Flugplatz meldete 7 km Sicht und Wind aus Süd mit 3 (nein nicht Beaufort, sondern Knoten). Also ging es mal wieder mit den zwei 18-PS-Genuas weiter. Der Tag war sonnig mit schlechter Horizontalsicht und verlief ruhig. Die Nacht war wieder sternklar, nur die Rundum-Sicht dunstig. Da wir in dieser Nacht Neumond hatten, war das Meeresleuchten noch intensiver zu sehen, diesmal hinterließen auch vor dem Boot flüchtende Fischschwärme ihre leuchtenden Spuren im Wasser. Überflüssig zu sagen, daß alle Crew-Mitglieder nur mit Weste und mit Belt angeleint an Deck herumturnten. Außerdem haben wir es uns angewöhnt, kleine wasserdichte Blitzleuchten mit integrierter Taschenlampe am Mann (und auch an der Frau natürlich) bei Nachtfahrten zur Pflicht zu machen. Diese sind nicht nur ein Gewinn an Sicherheit, sondern auch sehr praktisch, wenn man an oder unter Deck herumläuft und wegen der Blendung die volle Salonbeleuchtung nicht einschalten will.

Dartmouth erreichten wir am nächsten Tag um 4:50 UTC bei Dämmerung, Nebelschwaden und Nieselregen. Dartmouth hat eine S-förmige Hafeneinfahrt wie ein Fjord zwischen steil ansteigenden Felsen. Die Einfahrt ist mit Sektorenfeuern und Feuern-in-Line gut markiert. Sie ist bei guter Sicht sowie sorgfältiger Kartenarbeit auch gut anzusteuern. Es folgte ein Tag mit Ausschlafen, Einkaufen und Essen gehen. Das Wetter blieb schlecht - typisch englisch eben ....

Am nächsten Morgen ging es weiter über Weymouth mit seinem neuen Yachthafen und einen Tag später nach Lymington im West-Solent. Vor Lymington in Sichtweite der Needles ankerten wir in der Christchurch-Bay um das Kippen des Strom zur Einfahrt in den Solent abzuwarten.
.
Am letzten Tag segelten wir von Lymington weiter nach Cowes (im Norden der Isle-of-Wight) um im 10er (!) Päckchen festzumachen und die Cowes-Week zu besuchen. Die Cowes-Week ist ein Ereignis vergleichbar mit der Kieler Woche, an dem sich Segler rund um diverse Regatten im Solent treffen. Bekannteste Regatta, deren Abschluß alle zwei Jahre in Cowes stattfindet, ist der Admirals-Cup. Der Besuch der Cowes-Week und das große Abschlußfeuerwerk bildete auch für uns den Abschluß unseres Törns.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Törn allen Mitseglern Spaß gemacht hat, daß unser Wissen und Erfahrung rund um die Gezeiten zugenommen haben und vor allem, daß es zu einem Katamaran in Bezug auf Geschwindigkeit und Raumangebot wenig Alternativen gibt.

Gaby auf dem Vorschiff bei bestem Segelwetter
.



Interessante Links rund um die Kanalinseln :
.
Die "offizielle" Guernsey-Page www.guernsey.net/
DER lokale Radiosender auf Guernsey : island-FM www.islandfm.guernsey.net/
Alles über Guernsey and die anderen Kanalinseln www.gtonline.net/business/tourism/htdocs/
.
Drücken Sie "Zurück" auf Ihrem Browser